Bäume als Lärmschutz: Geht das – und mit welcher Bepflanzung?

Die urbane Geräuschkulisse ist für viele Stadtbewohner eine alltägliche Belastung. Geschuldet ist dies vor allem dem hohen Verkehrsaufkommen. Für effektiven Lärmschutz sind Bäume allein zwar unzureichend, dennoch leisten sie einen wertvollen Beitrag zum akustischen Stadtklima.

 

Bild von Bäumen und Verkehr auf der Frankfurter Allee in Berlin
 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Städte: Eine schallende Umgebung

Das Thema Lärm- und Schallschutz gewinnt in der kommunalen Planung aus guten Gründen immer mehr an Bedeutung. Denn Lärm zählt zu den größten Umwelt- und Gesundheitsproblemen der heutigen Zeit, insbesondere in städtischen Gebieten – und in solchen leben immerhin mehr als drei Viertel der landesweiten Bevölkerung.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes fühlen sich beinahe neun von zehn Personen, die in einer deutschen Metropolregion leben, durch den Lärm in ihrer Wohnumgebung belästigt. Die häufigsten Ursachen dafür sind:

 

  • der Straßenverkehr (76 %),
  • die Nachbarn (57 %),
  • die Industrie und das Gewerbe (50 %),
  • der Flugverkehr (43 %) sowie
  • der Schienenverkehr (34 %).

 

Fast die Hälfte der Befragten gibt zudem an, drei oder noch mehr dieser Lärmquellen ausgesetzt zu sein. Nur knapp mehr als ein Zehntel nimmt hingegen überhaupt keine akustische Belästigung wahr.

 

Bäume als Lärmschutz – die Menge stoppt den Schall

Die schalldämmende Wirkung von Bäumen und Sträuchern ist wissenschaftlich belegt und physikalisch einfach zu erklären: Die Pflanzen stellen mit ihren Ästen und Blättern ein physisches Hindernis für Schallwellen dar. Zwar kann der Schall diese durchdringen, er büßt dabei aber an Stärke ein und wird zudem teilweise zurückgeworfen.

 

 

Die Lärmminderung einzelner Pflanzen sowie schmaler, ein- oder zweireihigen Baumreihen ist aufgrund ihrer geringen Masse allerdings nur sehr gering. Um einen vergleichbaren Effekt wie mit einer zwei Meter hohen Lärmschutzwand zu erzielen, braucht es einen rund 25 bis 30 Meter breiten Gehölzstreifen mit dichtem Bewuchs.

 

In eng bebauten Stadtzentren sind Bäume daher nur bedingt geeignet, um das Lärmniveau spürbar zu senken.

 

Anders sieht es an den Stadträndern aus: Hier sind grüne Baumstreifen eine durchaus effektive Maßnahme, um eine akustische Barriere zwischen Wohnsiedlungen und lärmenden Straßen, Bahnschienen sowie Industrie- und Gewerbegebieten zu errichten.

 

 

Bild der von dicht stehenden Bäumen umgebenen Straße des 17. Juni

 

Um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, sollten die Bäume:

  • in einem breiten Streifen,
  • möglichst nahe an der Lärmquelle sowie
  • in gestaffelter Anordnung gepflanzt werden (je größer die Entfernung zur Lärmquelle ist, desto höher sollte das gepflanzte Gehölz sein).

Wichtig: Die Kronen und Blätter der Pflanzen müssen dabei einen geschlossenen Schallschirm bilden, der lückenlos bis zum Boden reicht. Empfehlenswert ist somit die Kombination von hohen Bäumen mit bodennahen Sträuchern. Denn ohne niedriges Unterholz kann der Schall sich unterhalb der Baumkronen ungehindert ausbreiten, wodurch die Lärmschutzwirkung drastisch abnimmt.

 

Begrünte Lärmschutzwände für bessere Schall-Absorption

 

An Orten, die nicht genug Raum für eine üppige Begrünung bieten, können Pflanzen zwar keine Lärmschutzwände ersetzen, deren Wirkung aber deutlich verbessern.

 

Denn begrünte Lärmschutzwände, beispielsweise mit Schling- und Kletterpflanzen überwachsen, lenken die Schallwellen nicht bloß in eine andere Richtung, sondern absorbieren auch eine Teilstärke des Schalls.

 

Bild einer innerstädtischen Allee mit Bäumen derselben Art

Ein weiterer Vorteil bewachsener Lärmschutzwände liegt darin, dass sie optisch einen sehr viel natürlicheren Eindruck machen als zum Beispiel hohe Mauern und Zäune aus Ziegeln, Stein, Metall, Holz, Glas oder Kunststoff. Sie fügen sich somit besser in die Umgebung ein und bilden dadurch eine deutlich weniger aufdringliche Begrenzung.

 

Geeignete Schling- und Kletterpflanzen sind:

  • der Efeu (Hedera helix),
  • die Weinrebe (Vitis vinifera),
  • der Mauerwein (Parthenocissus quinqufolia),
  • der Wilde Wein (Parthenocissus tricuspedita),
  • die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba),
  • der Rundblättrige Baumwürger (Celastrus orbiculatus),
  • der Schlingknöterich (Fallopia baldschuanica),
  • das Gold-Geißblatt (Lonicera x tallmanniana) sowie
  • das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum).

 

Optische Abschirmung: Auch einzelne Bäume haben Wirkung

Obwohl die Ergebnisse akustischer Messungen nahelegen, dass einzelne Bäume und Sträucher nur in einem sehr geringfügigen Umfang schallmindernd wirken, haben die Gehölze für Stadtbewohner nichtsdestotrotz einen positiven psychologischen Effekt. Denn das individuelle Lärmempfinden wird nicht bloß durch akustische Schallwellen, sondern auch durch die visuelle Wahrnehmung beeinflusst.

Lärmquellen, die nicht sichtbar sind, werden deshalb als leiser und somit als weniger störend wahrgenommen – unabhängig ihrer messbaren Lärmschutzwirkung. Fällt der Blick aus dem Fenster also auf eine Baumkrone anstelle der darunter liegenden Straße, reduziert dies die akustische Stresserfahrung. Eine Stadt mit vielen Bäumen macht also zumindest einen ruhigeren Eindruck.

 

Gegen Flatterechos: Bäume in engen Straßen

Einzelne Bäume wirken sich zudem noch auf eine weitere Weise positiv auf den städtischen Lärmpegel aus: Sie verhindern zum Beispiel, dass Schallwellen zwischen zwei nahe aneinander stehenden Häuserreihen hin- und herschwingen und dadurch ein Flatterecho erzeugen.

 

Laub- & Nadelbäume: Wirksam bei anderen Frequenzen

Laub- und Nadelbäume schützen nicht gleichermaßen vor Lärm. Einerseits werfen die meisten Laubbäume im Winter ihre Blätter ab, wodurch sie auch ihre schallmindernde Wirkung deutlich einbüßen. Der Großteil der Nadelbäume ist hingegen immergrün und somit das ganze Jahr über imstande, Schall zu absorbieren.

 

Andererseits wirken Laub- und Nadelbäume bei unterschiedlichen Frequenzen stärker beziehungsweise schwächer pegelmindernd.

  • Laubbäume zeigen vor allem bei Frequenzen zwischen 2.000 und 8.000 Hertz eine gute Wirkung,
  • Nadelbäume hingegen bei eher niedrigeren Frequenzen im Bereich von 500 bis 2.000 Hertz.

 

Zum Vergleich: Die Frequenz von Straßenverkehr liegt zwischen 500 und 1.000 Hertz.

Bild von den Blättern einer Hainbuche
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grundsätzlich sind die Wuchsbedingungen für Bäume im urbanen Umfeld meist nicht optimal – vor allem durch Einschränkungen im Wurzelbereich. Mit diesen Voraussetzungen kommen Laubbäume besser zurecht als Nadelbäume.

 

Beispiele für besonders schalldämmende Laubbäume sind:

  • der Berg-Ahron (Acer pseudoplatanus),
  • die Berliner Pappel (Populus x berolinensis),
  • die Sommerlinde (Tilia platyphyllos),
  • die Rotbuche (Fagus sylvatica),
  • die Blutbuche (Fagus sylvatica f. purpurea) sowie
  • die Hainbuche (Carpinus betulus).

 

Sträucher & Hecken

Hecken und Sträucher haben dank ihrer Strukturierung eine sehr gute Schalldämmwirkung, insbesondere im bodennahen Bereich. Voraussetzung ist, dass die Pflanzen einen dichten, lückenlosen Wuchs aufweisen und ihre Blätter möglichst quer zur Richtung des Schalleinfalls stehen – demnach sind Gehölze mit senkrecht hängenden Blättern besonders gut geeignet.

 

Hinweis: Große, kreisförmige Blätter sind bei mittleren Frequenzen besonders wirksam. Kleine Blätter (dafür in größeren Mengen) zeigen hingegen bei höheren Frequenzbereichen mehr Wirkung.

 

Für den Lärmschutz geeignete Sträucher und Heckenpflanzen:

  • die Oregon-Stachelbeere (Ribes divericatu)
  • der Wollige Schneeball (Viburnum lantana)
  • der Runzelblättrige Schneeball (Virburnum rhytidophyllum)
  • der Gemeine Flieder (Syringa vulgaris)
  • der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)
  • die Europäische Eibe (Taxus baccata)
  • der Abendländische Lebensbaum (Thuja occidentalis)
  • der Gewöhnliche Buchsbaum (Buxus sempervirens)
  • die Leyland-Zypresse (Cupressocyparis Leylandii)

 

Bilder:

Bild 1: Adobe Stock © ArTo

Bild 2: Adobe Stock © ArTo

Bild 3: Adobe Stock © TimSiegert-batcam

Bild 4: Adobe Stock © Bardorf Eduard

 

Quellen:

Fraunhofer Institut für Bauphysik (2011): Schallschutzpflanzen – Optimierung der Abschirmwirkung von Hecken und Gehölzen
https://docplayer.org/25966083-Schallschutzpflanzen-optimierung-der-abschirmwirkung-von-hecken-und-gehoelzen.html

Marc Wilde (2011): Bäume und ihre Wohlfahrtswirkung im städtischen Siedlungsraum
https://www.baumzentrum.de/images/content/_downloads/2011/2011_01V_Baeume_und_ihre_Wohlfahrtswirkungen_im_staedtischen_Raum.pdf

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg (o. D.): Städtebauliche Lärmfibel Online
https://www.staedtebauliche-laermfibel.de/?p=71&p2=7.1.6

Stangl Rosemarie/Berger Johanna (o. D.): Untersuchung zur Wirksamkeit von Gehölzstrukturen für den Lärm- und Sichtschutz an der Brennerautobahn
https://globale-allmende.de/uploads/file/GAllm%20Dateien/10%20Umwelt/2009%20Bahn/2004_Stangl_Gehoelze_fuer_Laermschutz.pdf

Umweltbundesamt (2022): Lärmbelästigung
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/laermwirkung/laermbelaestigung

Umweltbundesamt (2022): Lärmbelästigungssituation in Deutschland
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2020_12_03_texte_225-2020_laermbelaestigungssituation_in_deutschland_0.pdf