Projekt: Bäume für die Landesgartenschau Ingolstadt

Unter dem Motto „Inspiration Natur“ präsentierte die Landesgartenschau Ingolstadt 2021 eine große Vielfalt aus Themen und Ansätzen, die sich um das Kernthema Nachhaltigkeit drehten. Immerhin soll der neu entstandene Park zukünftig nicht nur als verbindendes grünes Element zwischen verschiedenen Nutzungs- und Baustrukturen einerseits und den angrenzenden Stadtteilen andererseits dienen: Er zeigt zudem moderne Lösungen für nachhaltige städtebauliche und landschaftliche Entwicklungen.

KEY FACTS | Projekt: Baumpflanzungen auf der Landesgartenschau Ingolstadt

Bauherr
Landesgartenschau Ingolstadt 2020 GmbH
Planung
Därr Landschaftsarchitekten, Halle (Saale)
Großberger Beyhl Partner, Landschaftsarchitekten mbB, München (Bauleitung)
Hitzler Ingenieure, Ingolstadt (Projektsteuerung)
Ausführung
Majuntke GmbH & Co. KG Professionelles Grün, Mainburg
Garten- und Landschaftsbau Fiedler GmbH & Co. KG, Großmehring
Projektdauer
Juli 2017 bis Mai 2020
Finanzierung (Investitionshaushalt)
23,9 Mio. Euro Baukosten inklusive Baunebenkosten
6 Mio. Euro Förderung (durch den Freistaat Bayern, die EU sowie die Städtebauförderung)
17,9 Mio. Euro Beteiligung der Stadt Ingolstadt an den investiven Kosten

 

Blumenbeet in der Landesgartenschau Ingolstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lage: Ein Park zwischen Industrie, Kultur und Landschaft


Die Landesgartenschauen sind immer als Impulsgeber gedacht, die wichtige Entwicklungen und Themen für die Gestaltung von Städten, Quartieren und Regionen aufgreifen. Die Landesgartenschau in Ingolstadt 2021 – eigentlich 2020, die Eröffnung musste Corona-bedingt verschoben werden – ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

 

So spielt die Gestaltung des rund 23 ha großen Areals nicht nur für die Stadt Ingolstadt selbst eine große Rolle, vielmehr übernimmt sie eine vermittelnde Rolle zwischen übergreifenden Fragestellungen. Dazu gehört beispielsweise die nach einer Balance zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Handel, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und dem Bedürfnis der Menschen, Freiräume im Grünen nutzen zu können.

 

Dabei fungiert die Landesgartenschau auf allen Ebenen als verbindendes Element. Das ergibt sich bereits aus ihrer geografischen Lage:

 

  • Das Gelände liegt etwas außerhalb der Innenstadt im Nordwesten, auf der Wegeachse zwischen den Stadtteilen Piusviertel, Hollerstauden, Friedrichshofen sowie der Gemeinde Gaimersheim.
  • Die zu gestaltende Fläche erstreckt sich auf rund 1,5 km von Norden nach Süden, und zwar im zweiten von insgesamt drei Grünringen, die für das Stadtbild von Ingolstadt so charakteristisch sind.
  • Im Westen fasst das Einkaufszentrum Westpark das Terrain ein, im Osten das Güterverkehrszentrum. Dazu stößt die Landesgartenschau mit dem Hochkreisel (im Norden) und der Richard-Wagner-Straße (im Süden) an zwei Hauptverkehrsadern der Stadt.

 

Im Umfeld des neuen Landschaftsparks ist die Industrie stark vertreten, gleichzeitig gehören zu dem Areal selbst landwirtschaftliche Nutzflächen im Südosten. Vorherrschend sind aber vor allem Gewerbe- und Siedlungsbau. Alle diese Bereiche sollten in dem Konzept für die Landesgartenschau ihren Platz finden – unter dem übergreifenden Thema Nachhaltigkeit.

 

Nahaufnahme von Gräsern vor einem parkenden Auto

 

Die Zielsetzung: Bleibende Werte schaffen für Ingolstadts Nordwesten

Bei der zweiten Landesgartenschau in Ingolstadt nach 1992 stand die Aufwertung des Randbezirks im Nordwesten im Fokus. Um dieses große Ziel zu erreichen, hat die verantwortliche Durchführungsgesellschaft mehrere Etappenziele vorgegeben:

 

#1: Stärkung des Grünrings

 

Wie in vielen Städten lassen sich frühere bauliche Zustände und Strukturen auch im heutigen Bestand noch nachvollziehen. In Ingolstadt sind es die drei konzentrischen Festungsgürtel aus dem 19. Jahrhundert, die mit der Zeit in Grünringe umgewandelt wurden. Durch das heterogene, aber insgesamt stark verdichtete Umfeld des Landesgartenschaugeländes kommt dem zweiten Grünring besondere Bedeutung als natürlicher bzw. naturnaher Raum ohne Bebauung zu.

 

#2: Naherholung ermöglichen

 

Für die Einwohner der angrenzenden Stadtteile Piusviertel und Friedrichshofen soll das Areal außerdem als Naherholungsgebiet dienen. Durch die Umwandlung der weitestgehend landwirtschaftlichen Nutzflächen zum Landschaftspark kann eine Lücke im Angebot solcher Naherholungsmöglichkeiten geschlossen werden. Das kommt auch den Mitarbeitern der ansässigen Unternehmen zugute, die ihre Arbeitspausen im Grünen verbringen können.

 

#3: Bindeglied

 

Wie erwähnt, spielt das Landesgartenschaugelände als verbindendes Element für die angrenzenden Stadtteile eine wichtige Rolle. Eine neue Fußgängerbrücke schafft deshalb eine direkte Verbindung zwischen Park und Piusviertel. Weitere Rad- und Fußwege ermöglichen einen direkten Anschluss der umliegenden Quartiere und der Gemeinde Gaimersheim. Mit der Parkterrasse ist für alle ein zentraler Begegnungsort entstanden.

 

#4: Mehr Artenreichtum

 

Die Umwandlung der landwirtschaftlichen Flächen in ein Naherholungsgebiet dient im Übrigen nicht nur den Menschen. Mit Blumenwiesen und einer abwechslungsreichen Bepflanzung soll zugleich die Grundlage für mehr Artenvielfalt geschaffen werden.

 

Die Leistungen der Landesgartenschau Ingolstadt in Zahlen

 

Auf den insgesamt 23 ha Fläche, die für die Landesgartenschau zur Verfügung standen, wurden nach dem ersten Spatenstich am 7. Juli 2017 bis zur Fertigstellung im Mai 2020 zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Es entstanden unter anderem

 

  •  ein Landschaftssee mit einer Ausdehnung von 6.100 m²,
  •  ein Wasserspielplatz mit 3.200 m²,
  •  23.500 m² Rasenflächen für Sport und Spiel sowie
  •  50.600 m² Blumenwiesen.

 

Daneben wurden weitere Pflanzungen realisiert, um das Ziel der größeren Artenvielfalt zu erreichen:

 

  • 2.500 m² Stauden- und Zwiebelpflanzungen mit 15.000 Stauden und 100.000 Blumenzwiebeln,
  • 2.800 m² Wechselflor mit Frühlings- und Sommerblühern.

 

Das Gelände wurde außerdem in das Projekt „2020 Bäume für Ingolstadt“ eingebunden. Die ersten Bäume hierfür wurden bereits im Oktober 2016 gepflanzt, 400 von knapp 600 Baumpflanzungen sind Teil des Projekts. Sie hatten maßgeblichen Anteil daran, dass das Ziel frühzeitig erreicht und sogar übertroffen werden konnte.

 

Ansicht von Gestaltungselementen der Landesgartenschau Ingolstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufgabe: Baumpflanzungen im „Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt“

Um das Nebeneinander von so vielen unterschiedlichen Bereichen und Anforderungen zu ordnen, setzt der Entwurf von Därr Landschaftsarchitekten für das Landesgartenschaugelände auf eine klare Formensprache. Landwirtschaft, Flächen für den Naturschutz und für die Freizeitnutzung werden von langen, geraden Achsen und streng geometrischen Flächen zusammengefasst. Um Ordnung und Spannung gleichermaßen abzubilden, wurden kristalline Formen gewählt. Sie lassen sich im Großen (etwa bei den Rasenflächen) genauso wiederentdecken wie im Kleinen (wie bei den 450 individuellen, einzigartigen Polygonalplatten, die den Boden der Parkterrasse bilden).

 

Der „Belt-Walk“

 

Durch ihren Einsatz soll die Spannung zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Industrie, Gewerbe, Wohnraum und Grünraum in gestalterische Elemente übertragen werden. Als Grundgerüst entschieden sich die Planer für den „Belt-Walk“.

 

Der höhergelegte Rundweg übernimmt verschiedene Funktionen im Gesamtkonzept: Er umfasst einerseits das Gelände und macht es damit andererseits für die Besucher erreichbar. Außerdem bietet er die Möglichkeit, die unterschiedlichen Facetten der Anlage auf immer neuen Wegen von außen zur Mitte hin zu entdecken.

 

Die „Stadtterrasse“

 

Auch als Parkterrasse bezeichnet, bildet sie zusammen mit dem Landschaftssee das Herzstück des gesamten Geländes. Von hier strahlen Wege in alle Winkel der Landesgartenschau aus, sowohl in der Länge als auch in der Breite. Zugleich ist der Bereich dafür geschaffen, als Treffpunkt zu dienen.

 

Schließlich führen die Wege genauso wieder hierhin zurück und bei der Gestaltung wurde bereits die Option mitgedacht, hier einen klassischen Marktplatz für regionale Händler einzurichten. Dazu können beispielsweise Verkaufsstände modulartig aufgestellt werden.

 

Baumpflanzungen im modernen Umfeld

 

Solche Anlagen sind in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll: durch ihre Multifunktionalität genauso wie durch die Ansprüche an Design und Ästhetik. Die vielen Anforderungen und Aufgaben von wichtigen Bereichen wie der Parkterrasse bringen es mit sich, dass weitere Spannungsfelder entstehen – nicht zuletzt auf der Ebene der Umsetzung der Gestaltungspläne.

 

Das gilt insbesondere für die Verbindung von gebauten Strukturen und Begrünung. Gerade Baumpflanzungen spielen zwar in der heutigen Stadtentwicklung eine zentrale Rolle, etwa als optische Akzente, als Klimaschutzmaßnahme oder als natürliche Beschattung. Die Voraussetzungen sind vielfach aber nicht optimal:

 

  • Die Bodenbedeckung etwa muss infrastrukturellen Anforderungen genügen, weil Plätze und Passagen wie die Parkterrasse als Verbindungswege dienen und nicht nur als Aufenthaltsfläche.
  • Dadurch fehlen häufig Sickerflächen und ausreichend große Baumscheiben, die die notwendige Versorgung der Bäume und ihrer Wurzeln gewährleisten.
  • Umgekehrt bedeutet unkontrolliertes Wurzelwachstum in vielen Fällen, dass Oberflächenbeläge verschoben oder sogar zerstört werden.
  • 50.600 m² Blumenwiesen.

 

Anders als bei den Bäumen, die auf den Rasenflächen ihren Platz gefunden haben oder die in den zahlreichen kleineren Themengärten gesetzt wurden, sind im Terrassenbereich und ähnlich angelegten Parksegmenten die Herausforderungen für ein nachhaltiges Wachstum deutlich größer.

 

Es müssen adäquate Vorkehrungen getroffen werden, die einerseits die Gestaltung der Fläche und die gebauten Strukturen nicht stören, und die andererseits optimale Voraussetzungen für die Bäume schaffen.

Konkret wurde für die Pflanzung von 14 Bäumen eine Lösung benötigt, die alle oben beschriebenen Anforderungen erfüllt.

Die Lösung: Flexible Pflanzgrubensysteme von Humberg

 

Unter den gegebenen Umständen empfahl sich der Einsatz der Humberg-Pflanzgrubensysteme. Diese sind für urbane Bodenverhältnisse konzipiert. Das heißt, sie tragen selbst große Belastungen durch Fußgänger, Radfahrer und sogar Kraftfahrzeuge, während die spezielle Konstruktion die durchgängige Versorgung der Baumwurzeln mit Sauerstoff, Wasser und Nährstoffen gewährleistet.

 

Die Systeme haben darüber hinaus einen weiteren wichtigen Vorteil, der in Anbetracht der Platzverhältnisse vor Ort zum Tragen kam: Sie verfügen über ein hohes Maß an Flexibilität. Dadurch lassen sich Länge, Breite, Einbautiefe, maximale Pflanzöffnungsgröße und auch die Stammhalsöffnung an verschiedene Standorte anpassen.

 

 

Unterflur-Baumrost Quadro Plus von Humberg

 

 

 

 

Für die Landesgartenschau Ingolstadt lieferte Humberg deshalb Pflanzgrubensysteme nach Maß. Die 14 Bäume fanden in Pflanzgruben mit den speziellen Abmessungen von 
2 x 6 x 15 m ihren Platz. Dazu wurden die Systeme nach dem Wunsch der Auftraggeber durch die Verwendung von Erweiterungsmodulen um 2 m erweitert.

Auf diese Weise erhalten die Baumwurzeln ausreichend Platz und gefährden durch ihr Wachstum nicht den Bodenbelag. Umgekehrt sind sie bestmöglich gegen Beschädigungen geschützt und können so langfristig zur gesunden Entwicklung der Bäume beitragen. Die Pflanzgrubensysteme von Humberg sind nicht nur in dieser Hinsicht eine nachhaltige Lösung. Sie überzeugen außerdem mit ihrer Effizienz, da sich der Pflegeaufwand durch die ausgeklügelte Konstruktion erheblich reduzieren lässt.  

 

Bilder:

 

Bild 1: Adobe Stock © quentemanaus

Bild 2: Adobe Stock © quentemanaus

Grafik: unsplash.comk ©  Bild unten links: Dieter K, alle anderen: Timo C.Dinger 

Grafik Unterflur-Baumrost © Humberg Baumschutz