Grünflächenmanagement heute und morgen: Herausforderungen und Trends

Urbane Grünflächen haben eine große Bedeutung für das Leben in der Stadt. Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss das Grünflächenmanagement heute auf zahlreiche Herausforderungen reagieren – vom demografischen Wandel bis zur Klimakrise.

 

Blumenwiese, Bäume und Hecken vor Neubaugebiet
 

 

 

 

 

 

 

Mehr als nur Pflege: So wichtig ist Grünflächenmanagement

Hinter attraktivem, einladendem, vielfältigem und gesundem Stadtgrün steht ein funktionierendes Management. Dazu gehören verschiedene Aufgaben, die weit über die reine Pflege der Freiflächen und ihrer Bepflanzung hinausgehen: Planung, Verwaltung, Bewirtschaftung und die besagte Erhaltung durch die Pflege.

 

Die vielen Aufgabenfelder machen das Grünflächenmanagement zu einer komplexen Aufgabe. Das gilt genauso für die vielen unterschiedlichen Freiflächen, die in diesen Verantwortungsbereich fallen. Denn die reichen von der Parkanlage über Spielplätze und Außenanlagen öffentlicher Gebäude bis hin zu Naturschutzflächen und Friedhöfen.

 

Zusätzlich erschwert wird das Management durch verschiedene Herausforderungen, die sich ganz erheblich auf die Grünflächen auswirken – sowohl im Hinblick auf ihre Gestaltung als auch auf ihre Nutzung. Gefordert sind daher differenzierte Lösungen für urbane Grünflächen, die langfristig für mehr Wohn- und Lebensqualität sorgen.

Landschaftsgärtner legt Weg in Parkanlage an
 

 

 

 

 

 

 

Schwierige Rahmenbedingungen für nachhaltiges Grünflächenmanagement

Die Pflege und Gestaltung von Grünflächen sind kommunale Aufgaben, deren Effekte jedoch über diesen Rahmen hinaus spürbar sind. Denn zu den wichtigsten Zielen gehört die Förderung der Biodiversität und die Anpassung an klimatische Veränderungen – und die tragen nicht nur zur Verbesserung in den Kommunen selbst bei.

Gemessen an der Bedeutung sind die strukturellen Voraussetzungen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kommunen durchaus schwierig. Das Projekt „Stadtgrün wertschätzen“ unter der Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) stellt deshalb drei Herausforderungen besonders in den Mittelpunkt:

 

  1. Das Grünflächenmanagement muss vielfältige Anforderungen erfüllen, für die nur begrenzte (finanzielle) Ressourcen zur Verfügung stehen.
  2. Bei der Gestaltung innerstädtischer Grünflächen ist die Berücksichtigung vieler unterschiedlicher Nutzungsansprüche notwendig.
  3. Grünflächenmanagement ist zwar ein zentrales Instrument, um den Erhalt der Biodiversität und die Anpassung an die Klimakrise zu schaffen. Allerdings sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen (etwa für die Bauleitplanung) unzureichend.

 

Eine Frage der Finanzen: Grünflächenmanagement kostet

Eine zentrale Grundbedingung und zugleich eine bleibende Herausforderung ist die Finanzierung des Grünflächenmanagements. In Zukunft könnte sich diese Problematik noch weiter verschärfen, weil die Anforderungen an die Grünflächen aus vielen Gründen steigen.

Die oben beschriebenen Herausforderungen hängen eng damit zusammen, ob notwendige Maßnahmen finanziert werden können. Der Synthesebericht des Projekts „Stadtgrün wertschätzen“ spricht in dieser Hinsicht von einem „Finanzierungsdilemma“:

 

  • Die Finanzmittel für das Grünflächenmanagement sind nämlich grundsätzlich knapp – und das seit vielen Jahren. Da es sich um ein breites Aufgabenfeld handelt, sind daher nicht nur konkrete Umgestaltungen oder Neuanlagen betroffen. Auch die Finanzierung von Personal, Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen ist vielfach unzureichend.
  • Diese Problematik wird zusätzlich verschärft. Neue Herausforderungen wie die vielfältigen Nutzungsanforderungen, der steigende Nutzungsdruck (in Kommunen mit steigenden Einwohnerzahlen), schwindende Biodiversität und klimatische Veränderungen bedeuten einen erheblichen Mehraufwand für die Pflege, Umgestaltung und Instandsetzung von Grünflächen.
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Ohne ausreichende Finanzierungskonzepte droht jedoch eine Abwärtsspirale. Bleiben entscheidende Investitionen aus, steigen die Kosten für den Unterhalt des Stadtgrüns. Bei unzureichender Pflege und Wiederherstellung der betroffenen Flächen machen sich „Verschleißerscheinungen“ umso schneller bemerkbar. Diese wiederum erfordern Instandsetzungsarbeiten in immer kürzeren Intervallen – und das bindet zusätzlich finanzielle Ressourcen und Personal.

 

Ein Teil des Problems liegt darin begründet, dass das Grünflächenmanagement vollständig aus den kommunalen Haushalten bestritten werden muss. Förderungen von Ländern und Bund sind in der Regel projektbezogen und nicht dafür gedacht, neu gestaltete Grünflächen langfristig zu unterhalten. Ohne die nötigen Finanzmittel kann das Grünflächenmanagement die zahlreichen gestellten Aufgaben jedoch nicht erfüllen.

Menschen im sommerlichen Park
 

 

 

 

 

 

 

Viele Nutzungsansprüche: Für wen sind die Grünflächen?

Grünflächen in Städten liegen immer in einer Schnittmenge von zahlreichen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen. Das macht das Management zu einer komplexen Aufgabe, in der es viele Faktoren zu berücksichtigen gilt.

Grünflächenmanagement und Innenentwicklung

Stadtentwicklung richtet sich zunehmend nach innen. Das verhindert zum einen, dass der Flächenverbrauch – etwa für neue Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebiete – an den Rändern zu sehr in die Natur ausgreift. Zum anderen kommen beispielsweise Brachflächen stärker in den Fokus für eine Umnutzung.

 

Das bedeutet aber auch, dass Freiflächen in der Stadt immer mehr an Wert gewinnen. Vor allem in wachsenden Kommunen stellt sich daher die Frage nach dem sinnvollen Umgang mit diesen Flächen:

  • Verfügbare Freiflächen können dazu genutzt werden, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.
  • Für eine qualitative Innenentwicklung sind aber gerade solche Freiflächen vorgesehen. Sie tragen außerdem dazu bei, Stadtquartiere deutlich aufzuwerten.

Ein wichtiger Faktor in diesem Flächennutzungskonflikt ist der ökonomische Wert von Grünflächen. Als „weicher“ Wirtschaftsfaktor machen sie Wohnräume attraktiver, was wiederum dem Arbeitsmarkt zugutekommt – und damit der Stadt als Wirtschaftsstandort im Allgemeinen.

Drei Seniorinnen sitzen auf einer Parkbank
 

 

 

 

 

 

 

 

Grünflächenmanagement und verschiedene Nutzergruppen

Eine andere Herausforderung hinsichtlich der Nutzung von Grünflächen liegt im sozialen Bereich. Denn unterschiedliche Einwohner haben jeweils eigene Vorstellungen und Bedürfnisse an städtische Grünräume.

 

  • Durch den demografischen Wandel bekommen die Erwartungen älterer Menschen eine größere Bedeutung. Das gilt beispielsweise für die Zugänglichkeit, für die barrierefreie, altersgerechte Gestaltung oder für Ruheräume.
  • Für andere Alters- und Nutzergruppen spielen Bewegungs- und Sporträume wiederum eine größere Rolle.
  • Generell ist die Versorgung mit Grünflächen außerdem mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit verbunden. Denn beim Zugang zu hochwertigen Grünanlagen zeigen sich häufig immer noch deutliche soziale Unterschiede.

 

Es gilt daher, im Rahmen des Grünflächenmanagements die jeweiligen Bedarfe schon in der Planung zu berücksichtigen. Integrierte Ansätze, bei denen die Bewohner stärker in die Planung und Entscheidungsfindung einbezogen sind, können deshalb ein wichtiger Faktor bei der Gestaltung von Grünräumen sein – zumal sie das Potenzial haben, das Bürgerengagement in dieser Hinsicht zu stärken.

 

Ökologisches Grünflächenmanagement: Mehr Biodiversität und bessere klimatische Anpassung?

In zunehmend verdichteten urbanen Umgebungen spielen Grünflächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen eine immer größere Rolle. Biodiversität und Anpassungen an die Klimakrise sind deshalb zentrale Themen, die letztlich auch den Menschen nutzen.

Das ökologische Grünflächenmanagement kennt verschiedene Ansätze, um die Zielsetzungen von größerer Artenvielfalt und resilienten Grünflächen zu erreichen.

 

Blumen und Insektenhotel in der Stadt
 

 

 

 

 

 

 

Naturnahe Gestaltung mit heimischen Pflanzen

Eine Bepflanzung mit heimischen Stauden, Gehölzen und anderen Pflanzen bringt gleich mehrere Vorteile. Die jeweilige Flora ist bereits an die Umgebungsbedingungen vor Ort angepasst – an die Bodenverhältnisse, den Nährstoffgehalt oder das Klima im Allgemeinen.

 

Damit lässt sich der Pflegeaufwand (vor allem für die Bewässerung) reduzieren. Mehrjährige Pflanzen tragen zusätzlich dazu bei, diesen Aufwand und die damit verbundenen Kosten zu senken. Über die Pflanzenauswahl lassen sich gleichzeitig gezielt heimische Tiere fördern, die dadurch Nahrung und Lebensraum finden.

 

Neben einer artenreichen Bepflanzung – die sich im Übrigen selbst auf vergleichsweise kleinen Flächen als Straßenbegleitgrün umsetzen lässt – sollte auch die Gestaltung der Umgebung berücksichtigt werden. Unterschiedliche Strukturen wie Trockenmauern, Hecken, Totholz, Streuobstwiesen und viele weitere Möglichkeiten unterstützen ebenfalls die naturnahe Gestaltung und sind eine wichtige Grundlage für mehr Biodiversität.

Pflege ohne Pestizide und mineralische Dünger

Durch das ökologische Grünflächenmanagement wird aber nicht nur der Pflegeaufwand kleiner, es verändert sich zudem die Herangehensweise. Das gilt etwa für den Einsatz von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung. Einheimische Pflanzen sind in dieser Hinsicht meist ohnehin widerstandsfähiger. Durch den Verzicht auf chemische Mittel haben auch Nützlinge bessere Überlebenschancen – und das wiederum hilft dem natürlichen Gleichgewicht.

 

Ähnlich verhält es sich mit dem Einsatz von künstlichem Dünger. Dieser verhindert langfristig gesehen einen besseren Nährstoffkreislauf und begünstigt im schlimmsten Fall unerwünschte Pflanzen.

Bepflanzung in moderner Umgebung
 

 

 

 

 

 

 

Weniger Bewässerung

Städtische Umgebungen bedeuten häufig ungünstige Voraussetzungen für die Versorgung von Pflanzen mit Wasser. Weitgehend versiegelte Oberflächen und stark verdichtete Böden verhindern das Versickern von Regenwasser – und machen damit eine künstliche Bewässerung notwendig.

Dieses Problem lässt sich – gerade für Baumpflanzungen – auf technischem Wege lösen. Smarte Bewässerungssysteme kommen dabei Bäumen und Kommunen gleichermaßen zugute:

 

  • Die Systeme ermöglichen Bäume eine gesunde Entwicklung bis ins hohe Alter. Das ist nicht nur günstiger als wiederholte Neupflanzungen, sondern bedeutet insgesamt eine kontinuierliche Wertsteigerung.
  • Der Pflegeaufwand lässt sich dahingehend reduzieren, dass weniger Personal für die Bewässerung eingesetzt werden muss. Stattdessen erfolgt die Bewässerung punktgenau und sukzessiv.
  • Durch smarte Elemente zeigen die Bewässerungssysteme außerdem an, wann Bedarf für zusätzliches Wässern der Bäume besteht. Eine solche Funktion hilft gleichzeitig dabei, den Zustand von Bäumen und Wurzeln besser und einfacher zu kontrollieren.

 

Die vielen Erleichterungen durch den Einsatz smarter Bewässerungssysteme sind – neben ihrem praktischen Nutzen – auch ein Kostenfaktor für die Kommunen. Weniger Bewässerungsgänge, geringerer Personaleinsatz und langlebigere Baumbestände tragen zur Entlastung der kommunalen Haushalte bei.

 

Für größere Grünflächen ist die Pflanzenauswahl ein wichtiger Faktor. Sie sollte zu den klimatischen Bedingungen und den Bodenverhältnissen passen. Daneben sorgen Aussaaten zwischen größeren Pflanzen dafür, dass der Boden bedeckt ist. Damit kann immer noch Regenwasser versickern, während gleichzeitig eine zu starke Verdunstung verhindert wird.

 

Mit dem Grünflächenmanagement von heute die Zukunft gestalten

Beim Thema Stadtentwicklung geht es meist um Wohnraum und Infrastruktur. Das spielt auch beim Umgang mit urbanen Grünflächen eine Rolle. Um den großen Herausforderungen der heutigen Zeit und der Zukunft angemessen begegnen zu können, ist ein nachhaltiges Grünflächenmanagement unerlässlich.

 

Es trägt zu mehr Biodiversität bei, schafft klimaresilientere Lebensräume und macht Stadtgrün für alle Menschen zugänglich. Bislang entsprechen die finanziellen Ressourcen jedoch kaum der Bedeutung des Grünflächenmanagements – was die vielfältigen Aufgaben zu noch größeren Herausforderungen macht.

 

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