Hochwertige Radinfrastruktur in der Stadt

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In den meisten deutschen Städten wird der Straßenverkehr von Autos dominiert, ganz egal ob in Hamburg, Berlin, Stuttgart oder München. Dieser Umstand belastet nicht nur das Klima, sondern auch die Stadtbewohner und Verkehrsteilnehmer selbst. Der Aufbau einer sicheren und zeitgemäßen Radinfrastruktur ist ein effektives Mittel, um daran etwas zu ändern.

 

Immer mehr Deutsche steigen aufs Fahrrad

Die Verkehrswende schreitet in Deutschland nur zäh voran – und dass, obwohl viele Menschen sogar mit Freude auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umsteigen würden, insbesondere auf das Fahrrad. Allerdings mangelt es vielerorts schlichtweg an der entsprechenden Infrastruktur, also beispielsweise an einem flächendeckenden Radwegnetz sowie an Abstellanlagen und Reparaturstationen. Ein Problem, das den meisten Radfahrern bekannt ist.

Nichtsdestotrotz steigt der Anteil der Radfahrer im Straßenverkehr seit Jahren kontinuierlich an. Laut dem Fahrrad-Monitor 2019 des BMVI treten immerhin 44 % der deutschen Bevölkerung mehrmals wöchentlich oder gar täglich in die Pedale. Die gewichtigsten Beweggründe dafür sind Umweltschutz und die eigene Gesundheit, ebenso aber der Spaß am Fahren, Kostenersparnisse, Flexibilität und Zeit.  

 

Die vielen Vorteile einer guten Radinfrastruktur

Von mehr Radverkehr und einer hochwertigen Radinfrastruktur profitieren nicht nur die Radfahrenden selbst.

Auch für die Umwelt, die Stadtbewohner und andere Verkehrsteilnehmer– unabhängig davon, ob diese zu Fuß oder im Kfz unterwegs sind – machen sich die positiven Auswirkungen bemerkbar:

  • Sinkende Schadstoffbelastung, bessere Luft
  • Gesündere Bürger
  • Sinkender Lärmpegel
  • Weniger schwere Unfälle
  • Flüssigerer Verkehr, weniger Stau
  • Annäherung an die Klimaziele
  • Fahrräder beanspruchen weniger Raum als Autos

 

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Infrastruktur für den Radverkehr: Die Mängel

All die Vorteile, die das Radfahren mit sich bringt, können jedoch nicht über die Probleme und Mängel des deutschen Verkehrssystems hinwegtäuschen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2019 zeigt etwa, dass sich 44 % der Radfahrer auf Deutschlands Straßen „eher nicht“ beziehungsweise „überhaupt nicht sicher“ fühlen.

Dass mit Blick auf die Radverkehr-Infrastruktur noch ordentlich Aufholbedarf besteht, zeigt auch der Fahrradklima-Test 2020 des ADFC. Dieser bewertete das landesweite Fahrradklima mit dem ernüchternden Notendurchschnitt von 3,9. Bemängelt wurden von den Befragten vor allem

  • das Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr,
  • die vielen Konflikte mit Kraftfahrzeugen sowie
  • die unzureichende Breite und oft ungeeignete Oberfläche der Radwege.

 

Radwege und Radfahrstreifen

Herzstück einer fahrradfreundlichen Infrastruktur in Städten sind die Radverkehrsanlagen, anders gesagt: Radwege und Radfahrstreifen. Ein gut ausgebautes Radwegnetz gewährleistet nicht nur eine sichere Fahrt im urbanen Straßenverkehr, sondern spornt die Menschen auch an, öfter auf das Fahrrad zu steigen.

 

Doch nicht jeder Radweg entspricht den Anforderungen seiner Nutzer. Besonders heikel sind beispielsweise zu schmale Radfahrspuren, die ohne Abgrenzung, also direkt am Straßenrand entlangführen.

 

Ebenso sorgen ungeeignete, rutschige Beläge – vor allem bei schlechten Wetterverhältnissen wie Regen, Eis und Schnee – immer wieder für gefährliche Situationen, wie etwa zu einem Sturz oder Unfall.

 

Die Empfehlungen für Straßenverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) sehen für Radwege und Radfahrstreifen übrigens eine Mindestbreite von 1,60 Meter vor (inklusive der Strichbreite von 25 cm). In der Nähe von Schulen und Radverkehrszielen wird sogar eine Breite von 1,85 Meter empfohlen, ebenso an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und einem erhöhten Schwerlastverkehrsanteil.

 
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Abstellplätze für Fahrräder

Zwar mit weniger Unfallpotential verbunden, aber ebenso ärgerlich sind fehlende, in zu geringer Menge verfügbare oder schlichtweg mangelhaft ausgestattete Stellanlagen. Bei der Planung eines Fahrradparkplatzes sollten folgende Aspekte somit immer berücksichtigt werden:

 

Ein barrierefreier Zugang ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass eine Stellanlage von der fahrradfahrenden Bevölkerung angenommen und genutzt wird. Das heißt: Die Stellanlage muss ohne Hindernisse zu erreichen sein, also idealerweise auf dem Höhenniveau der Straße liegen. Sollte dies nicht möglich sein, kann der barrierefreie Zugang etwa durch Rampen und/oder Aufzüge gewährleistet werden.

 

Bei Fahrradparkern spielt neben der Anzahl an vorhandenen Bügeln auch deren Form eine wichtige Rolle. So sollte es die Bügelform beispielsweise zulassen, sowohl den Rahmen als auch die Räder des Fahrrads mit einem Schloss zu befestigen.

Ebenso vermeiden hochwertige Fahrradparker ein Umschlagen der Lenker (und folglich ein Umstürzen der Fahrräder) und sind darüber hinaus mit diversen Fahrradgrößen und -höhen kompatibel. Ein ausreichend großer Mindestabstand zwischen den einzelnen Bügel stellt zudem sicher, dass die Anlage auch an Tagen mit hoher Auslastung bequem und einfach zu nutzen ist.

 

Beleuchtung ist eine der einfachsten und effektivsten Mittel, um Diebstahl und Vandalismus vorzubeugen. Darüber hinaus sind beleuchtete Stellanlagen nachts einfacher und sicherer zu nutzen sowie von Radwegen und Straßen aus deutlich besser erkennbar.

 

Überdachungen schützen Fahrräder und auch Radfahrer vor Wettereinflüssen wie Nässe und direkter Sonneneinstrahlung. Fahrräder, die dem Wetter ungeschützt ausgesetzt sind, altern schneller, müssen öfter repariert und früher ersetzt werden. Das kostet den Besitzern nicht nur Geld, sondern ist auch schlecht für die Umwelt.

 

Absperrvorrichtungen wie Poller stellen sicher, dass ausreichend Abstand zwischen Fahrradparkern und Autos besteht. Dies dient dazu, zu vermeiden, dass Fahrräder durch ein- beziehungsweise ausparkende Autos beschädigt werden. Zugleich wird verhindert, dass Fahrradbügel durch falschparkende Fahrzeuge blockiert werden.

 

Reparaturstationen mögen zwar nicht zur notwendigen Grundausstattung einer Stellanlage zählen, sind aber ein nützliches und gern gesehenes Zusatzangebot, zumal da sie es erlauben, kleinere Reparaturen ganz einfach selbst durchzuführen. Empfehlenswert sind Reparaturstationen insbesondere an hochfrequentierten Plätzen und Stellanlagen, wie beispielsweise an Bahnhöfen, Universitäten und Schulen.

 

Trendräder mit besonderen Anforderungen: Pedelecs, E-Bikes und Lastenräder

Der Fahrradbestand in Deutschland wächst nicht nur gemessen an der Gesamtanzahl, sondern auch hinsichtlich der verschiedenen Fahrradtypen. Denn seit einigen Jahren erleben Pedelecs und E-Bikes sowie auch die meist dreirädrigen Lastenräder einen regelrechten Boom. Allein im Jahr 2020 wurden landesweit fast zwei Millionen E-Fahrräder verkauft. Um einen vorübergehenden Trend handelt es sich dabei nicht.

Die Vorteile der neuen Fahrradtypen liegen auf der Hand: Während E-Bikes und Pedelecs mit (Elektro-)Motorunterstützung punkten, überzeugen Lastenräder vor allem mit ihren großzügigen Ladeflächen, die genug Raum für den Transport größerer Lebensmitteleinkäufe und sogar des Nachwuchses bieten. Eine ebenfalls beliebte Mischform: E-Lastenräder.

 

Diese Fahrradtypen stellen insbesondere auf kurzen bis mittellangen Strecken eine zukunftsfähige Alternative zu benzin- und dieselbetriebenen Kraftfahrzeugen dar. Daher sollten Entwicklungen wie diese in der städtischen Infrastrukturplanung immer mitbedacht werden.

 

Ladestationen für E-Fahrräder sind angesichts des schnell wachsenden Aufkommens von E-Bikes und Pedelecs eine wichtige Investition für die grüne Stadt von Morgen. Immerhin sind mittlerweile rund 7,1 Millionen E-Bikes auf den Straßen Deutschlands unterwegs. Das entspricht 10 % aller Fahrräder im Land.

53886_Fahrradparkplatz mit Lademöglichkeit

 

Durch die Installation von Ladestationen an Abstellanlagen, zum Beispiel in Form von Versorgungspollern, können die elektrisch betrieben Fahrräder bequem und einfach während des Parkens wieder aufgeladen werden – so sind für E-Radfahrer selbst lange Rückwege ohne allzu große körperliche Anstrengung zu bewältigen.

Stellplätze für Lastenräder sind bislang noch eher selten vorzufinden. Doch auch dieser Fahrradtyp verzeichnet schnell ansteigende Verkaufszahlen. Vor allem in der Nähe von Supermärkten und anderen Geschäften des täglichen Lebens empfiehlt es sich, die für Lastenräder notwendigen, etwas breiteren Stellplätze einzurichten.

 

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