Stadtbäume im Vergleich:
Heimische oder gebietsfremde Arten?

Städtische Alleen, Parks und Gärten ohne heimische Baumarten? Ein Szenario, das angesichts des Klimawandels nicht unrealistisch scheint. Denn um die klassisch-deutsche Stadtbäume wie Linden, Platanen und Eichen steht es schlecht. Auf lange Sicht werden vielerorts gebietsfremde Gehölze ihren Platz einnehmen – Bäume, die besser an die sich rapide verändernden Klimabedingungen angepasst sind.

 

Lebensraum Stadt – ein hartes, heißes Pflaster für die heimischen Bäume

 

Bäume sind essenziell für ein angenehmes Stadtklima. Sie spenden Sauerstoff, werfen Schatten und werten jedes Stadtbild optisch auf. Gleichzeitig bringen die schwierigen Bedingungen im Stadtgebiet unsere heimischen Baumarten jedoch allmählich an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Grunde dafür sind unter anderem

 

  • Feinstaub und andere luftverschmutzende Schadstoffe,
  • höhere Temperaturen als in ländlichen Gebieten,
  • beengter Wurzelraum und schwer belastete Straßen,
  • Wassermangel und fehlende Nährstoffe,
  • Verletzungen durch Bauarbeiten und Unfälle,
  • sowie die Salzstreuung im Winter.

Solitärbaum in Wohnsiedlung

 

 

Viele dieser Faktoren sind zwar typisch für den Lebensraum Stadt, doch die Situation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschärft. Zurückzuführen ist dies etwa auf die fortschreitende Urbanisierung, allen voran jedoch auf den Klimawandel.

 

Der Klimawandel setzt Stadtbäumen besonders zu

 

Städte sind verglichen mit ländlichen Regionen noch stärker vom Klimawandel betroffen. Forscher warnen, die Durchschnittstemperaturen in urbanen Gebieten könnten bis zum Jahr 2100 um mehr als 4 °C steigen – die Höchsttemperaturen sogar noch drastischer. In den Wintern ist hingegen häufiger mit Frost zu rechnen. Das bedeutet: Wetterextreme zu allen Jahreszeiten, die sowohl Mensch als auch Flora belasten.

 

Grund für den überdurchschnittlichen Temperaturanstieg in den Städten ist übrigens der Wärmeinseleffekt: Beton und Asphalt heizen sich in der Sonne auf, speichern die Wärme und erhöhen die Temperatur in unmittelbarer Bodennähe – eine Überwärmung, die der hohen Baudichte beziehungsweise der geringen Grünflächenanteile von Städten geschuldet ist und für die urbane Pflanzenwelt nichts Gutes verheißt.

 

Heimische Bäume leiden immer mehr unter Trockenheit, Wassermangel, Krankheiten und Schädlingen

 

Die Folgen des Klimawandels sind für viele heimische Stadtbäume fatal. Schon heute ist in zahlreichen deutschen Städten ein Baumsterben zu beobachten. In Frankfurt am Main zum Beispiel hat sich die Zahl der zu fällenden Bäume innerhalb weniger Jahre verdoppelt.

 

Die Diagnose: Die Kombination aus hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen sorgt dafür, dass noch geringere Mengen Wasser in die ohnehin dürren Böden der Stadt gelangen. Die Bäume trocknen aus, erleiden Brüche und werden dadurch anfällig für Krankheiten und Schädlinge, wie beispielsweise Pilze und Käfer.

 

Gleichzeitig begünstigt der Klimawandel die Vermehrung einiger Schädlingsarten, wie zum Beispiel jene des Eichenprozessionsspinners – ein Schmetterling, dessen gefräßigen Raupen ganze Eichenwälder zu Opfer fallen können. Darüber hinaus breiten sich aufgrund des wärmeren Klimas auch immer mehr südeuropäischer Schädlinge in den nördlicheren Breitengraden aus, und stellen sowohl Bäume als auch Förster oder Gärtner vor eine ganze Reihe neuer Herausforderungen.

Gespinnste des Eichenprozessionsspinners an einem Baum

 

 

Die Suche nach geeigneten Stadtbäumen – gebietsfremde Arten im Fokus

 

Während immer mehr heimische Baumarten dem Klimawandel erliegen, nimmt die Suche nach neuen Stadtbäumen an Fahrt auf. Forschungsinstitute stellen laufend Untersuchungen an, um eine Grundlage für neue nachhaltige Begrünungskonzepte zu schaffen. Besonderes Augenmerk gilt dabei jenen gebietsfremden Baumarten, die:

 

  • besonders tolerant beziehungsweise resistent gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind (Hitze, Trockenstress, Frost und Wassermangel, Stürme),
  • als verträglich mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt gelten (möglichst keine Auswirkungen auf das heimische Ökosystem verheißen),
  • eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und den in Deutschland heimischen sowie neu angesiedelten Schädlingen aufweisen,
  • sowie für den Einsatz im Stadtgebiet geeignet sind (Bruchfestigkeit, Lichtdurchlässigkeit, Größe und Breite, Menge des Laubabfalls etc.).

 

Zudem wird häufig auch ihr geografischer Ursprung berücksichtigt. Denn die Ansiedelung gebietsfremder Bäume ist keineswegs unumstritten. Um den Einsatz von Neophyten zu vermeiden, werden daher Bäume aus relativ nahen Regionen (wie beispielsweise dem Balkan) bevorzugt – schließlich sind diese einerseits bestens an das Leben in ebenso heiß-trockenem wie frostgefährdeten Terrain angepasst, und andererseits zum Teil bereits in Deutschland vorhanden.

 

Gebietsfremde Arten – eine invasive Gefahr für die heimische Natur?

 

Gebietsfremde Arten leiden häufig unter einem schlechten Ruf. Zu oft hat der Mensch (bewusst als auch unwissentlich) zur Verbreitung fremder Pflanzen beigetragen. Nicht selten entpuppten sich die neuen Bäume jedoch als invasive Arten, die sich durch ein besonders rasches Wachstum sowie eine ausgeprägte Reproduktionsfähigkeit auszeichnen.

 

Ohne eindämmende Maßnahmen drohen invasive Baumarten ihre heimischen Genossen zu überwuchern und deren lebensnotwendigen Wurzelraum zu rauben – und schaden auf diese Weise ganzen Ökosystemen samt ihrer biologischen Vielfalt.

 

Ein Beispiel dafür ist etwa der ursprünglich aus China stammende Götterbaum (rechts im Bild). Er erreicht eine Höhe von 30 Metern und wächst bis zu vier Meter pro Jahr – also deutlich schneller als vermutlich jeder europäische Baum. Einst wurde er gerne in städtischen Parks angepflanzt. Doch mithilfe seiner propellerartigen Samenkapseln hat sich der Baum schnell ausgebreitet.

 

Das Problem: Der Götterbaum steht in Konkurrenz zu einigen bedrohten, heimischen Arten. Wird er gefällt, sprießen zudem aus den umliegenden Wurzelausläufern etliche neue Exemplare. Darüber hinaus treibt der Klimawandel seine Ausbreitung noch weiter voran.

Großer Götterbaum in einem Park mit Sitzgelegenheiten

 

 

Kritik an der Ansiedelung gebietsfremder Bäume ist also durchaus berechtigt. Doch nicht von allen Arten geht auch tatsächlich eine invasive Gefahr aus; viele lassen sich problemlos in das deutsche Ökosystem eingliedern – und können, wie Untersuchungen belegen, auch positive Auswirkungen für das heimische Ökosystem bedeuten.

 

So legt eine Vorstudie zum Thema Stadtklimabäume des Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung der Technischen Universität München etwa nahe, dass sich die Vitalität des Stadtgrüns sowie auch die Biodiversität der in den Baumkronen lebenden Insekten und Spinnentiere besonders bei einem Mix aus heimischen und gebietsfremden Baumarten schnell erholt und erhöht. Demzufolge sollten auch nur jene Bäume ersetzt werden, deren Gesundheit keineswegs mehr wiederherzustellen ist.

 

Die Langzeitstudie in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau untersucht dazu insgesamt 30 Baumarten bezüglich ihrer Eignung als Straßenbäume in der Zukunft.

 

Gebietsfremde Hoffnungsträger – ein paar Beispiele

 

Ob Ahorn, Buchen, Eichen, Eschen, Linden, Platanen oder Ulmen – sie alle wurden aufgrund des Klimawandels anfällig für Krankheiten und Schädlinge, und verschwinden dadurch sukzessive aus dem deutschen Stadtbild. Im Rahmen des in Bayern durchgeführten Projekts Stadtgrün 2021 begaben sich deshalb pflanzenkundige Forscher auf die Suche nach Alternativen. Insgesamt pflanzten sie dabei 660 Bäume in drei Städten mit unterschiedlichen Klimabedingungen, um anhand dessen 30 gebietsfremde Baumarten hinsichtlich ihres Potentials als Stadtbaum zu prüfen. Hier ein paar der vielversprechendsten Anwärter für die zukünftige Stadtbegrünung:

 

  • Bei den Ulmenarten Rebona und Lobel handelt es sich um Züchtungen aus den USA beziehungsweise den Niederlanden. Beide gelten als hochresistent gegen die durch einen Pilz- und Käferbefall ausgelöste „Holländische Ulmenwelke“. Die Rebona-Ulme hat sich zudem als besonders trocken- sowie überflutungsresistent erwiesen; die Sorte Lobel hingegen als äußerst bruchfest bei starkem Wind.
  • Die Silberlinde stammt aus Südosteuropa und gilt als eine der zukunftsfähigsten Lindenarten. Sie ist trockenstresstolerant, frosthart und somit auch nur bedingt anfällig für das vielerorts an Linden beobachtbare Stigmina-Triebsterben. Dank ihrer silbrig-filzigen Blattunterseite wird sie zudem von Blattläusen vermieden und ist aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Staub und Abgasen auch besonders gut als Straßenbaum geeignet.
  • Der Europäische Zürgelbaum, ein beliebter Straßenbaum in südeuropäischen Städten, könnte als Ersatz für die zahlreichen, an der Massariakrankheit leidenden Platanen dienen. Er ist enorm strahlungsfest, eignet sich allerdings nur für wärmere, weitgehend frostfreie Standorte.
  • Die Blumen-Esche ist ebenso frosthart wie hitze- und trockenstresstolerant. Selbst durch Spätfrost entstandene Austriebs-Schäden gleicht sie rasch wieder aus. Zudem konnten bislang keine Anfälligkeit gegenüber dem weitverbreiteten Eschentriebsterben festgestellt werden.
  • Die Hopfenbuche verträgt dank ihrer südosteuropäischen Herkunft sowohl Hitze als auch Trockenstress besser als ihre nahe Verwandte, die Hainbuche – welche hierzulande klimabedingt immer häufiger von Schlauchpilzen befallen wird und folglich an Rindenkrebs erkrankt.

 

Gebietsfremde Baumarten als Alternativen

 

Beispiele wie diese zeigen ganz klar: An Alternativen mangelt es nicht. Jedoch sei angemerkt, dass nicht jeder dieser Bäume gleichermaßen für jeden Standort geeignet ist. Sowohl die ortsspezifischen Klimabedingungen als auch die jeweiligen städtebaulichen Merkmale des vorgesehen Standorts sollten daher beim Treffen einer jeden Baumauswahl mit in Betracht gezogen werden – auf dass die Städte schon bald wieder in einem neuen, satten Grün erblühen!

 

Bilder:

 

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