Straßenbäume in unseren Städten:
Eine Bestandsaufnahme

Viele deutsche Städte hüllen heute ihre Beton- und Asphaltflächen wieder in ein sattes Grün – und das ist gut so, denn neben Sauerstoff und Schatten schenken Straßenbäume den Menschen auch die Aussicht auf eine nachhaltige Zukunft im Lebensraum Stadt.

 

Die lange Tradition der Straßenbäume – ein Rückblick

 

Die Geschichte der Straßenbäume reicht weit bis in die Antike zurück. Schon die alten Römer, Griechen und Ägypter nutzten sie als städtebauliches Gestaltungselement. Im Mittelalter zierten Bäume hingegen hauptsächlich die Straßen außerhalb der Stadtmauern. Erst zu Barockzeiten erlebten die städtischen Straßenbäume eine Renaissance, als Adelige und Bischöfe begannen, ihre herrschaftlichen Anwesen und Gärten mit prächtigen Alleen zu schmücken.

 

Eine Bedeutung, die über die ästhetische Komponente hinausreicht, wurde den Straßenbäumen allerdings nicht vor dem späten 19. Jahrhundert zuteil. Im Rahmen der Industrialisierung dehnten sich die Städte rapide aus und wuchsen zu Metropolen heran – die Natur musste vielerorts Fabriken, Wohnhäusern und Straßen weichen.

 

Die Folge: Die Luftqualität sank, das Klima wurde heißer. Diesem Zusammenhang war man sich damals durchaus bewusst: Im Jahr 1870 riefen bereits New Yorker Ärzte dazu auf, Straßenbäume zu pflanzen, um die Anzahl der hitzebedingten Todesfälle zu verringern.

 

Heute, 150 Jahre später, steht der Straßenbaum abermals im Zeichen des Klimawandels, allerdings auf globaler Ebene. Städte müssen grüner und nachhaltiger werden – so lautet der Konsens. Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Begrünung unserer urbanen Betonwüsten. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Straßenbäume unseres Landes zu werfen.

Neugepflanze Bäume mit Stützgerüst entlang einer Straße

 

 

Die beliebtesten Straßenbäume Deutschlands

 

Wie die letzte bundesweite Bestandserhebung aus dem Jahr 2014 widerspiegelt, sind es allen voran heimische Traditionsbäume, wie Linden, Ahorne und Eichen, die entlang Deutschlands Straßen ihre Wurzeln schlagen. Auf diese drei Baumgattungen entfällt rund die Hälfte des gesamten Straßenbaumbestands, gefolgt von den nicht ursprünglich heimischen, jedoch ebenfalls traditionsreichen Platanen und Rosskastanien:

 

  • Linden (24%)
  • Ahorne (15%)
  • Eichen (9%)
  • Platanen (6%)
  • Rosskastanien (4%)

 

Dass die Krone für den beliebtesten Straßenbaum von der Linde getragen wird, überrascht wenig, bedenkt man nur, welche Symbolkraft ihr hierzulande zugesprochen wird. So ziert die Linde nicht nur unzählige Straßenränder, sondern ist zugleich auch Namenspatron von deutschlandweit mehr als 7.000 Straßen und 850 Orten. Berühmte Beispiele sind etwa die zum Brandenburger Tor führende Prachtstraße „Unter den Linden“ sowie das am Bodensee liegende Lindau, dessen Wappen seit Jahrhunderten eine herzblättrige Linde in sich trägt.

 

Mit Ahorn, Eiche, Platane und Rosskastanie hat die Linde jedoch eines zweifellos gemein: Sie sind allesamt Laubbäume. An den Straßen ergibt sich somit ein ganz anderes Bild, als in den deutschen Wäldern, wo allen voran die immergrünen Nadelbaumgattungen der Fichten (25%) und der Kiefern (22%) dominieren.

 

Kaum Nadelbäume an deutschen Straßen

 

Natürlich gibt es sie, die Nadelbäume an den Straßen – meist jedoch nur vereinzelt, nicht von Menschenhand gepflanzt sowie eher in ländlichen Regionen als in den Städten. Denn obwohl die immergrünen Bäume auch im Winter etwas Farbe in das graue Stadtbild bringen könnten, spricht doch vieles gegen Koniferen als Straßenbaum:

 

  • Äste treiben an Nadelbäumen auch am bodennahen Stamm stark aus, weshalb diese deutlich öfter zugeschnitten werden müssen.
  • Durch das dichte Nadelbaumgeäst dringt nur sehr wenig Licht.
  • Viele Nadelbaumarten harzen stark und können damit ihr Umfeld verunreinigen.
  • Auf den Ästen und Nadeln sammelt sich im Winter Schnee, der von Windböen auf Straßen sowie vorbeifahrende Autos geweht werden kann und somit ein Sicherheitsrisiko darstellt.
  • Nadelblätter verfärben sich im Herbst nicht.

Tannenzweige

 

 

Übrigens werden seit einigen Jahren auch in den Wäldern immer mehr Laubbäume gepflanzt. Ziel dabei ist es, aus Nadelwäldern Mischwälder zu machen, um wieder eine naturnähere Waldbewirtschaftung herzustellen.

 

Die häufigsten Straßenbäume nach Städten

 

Die deutsche Stadt mit den meisten Straßenbäumen ist Berlin. Rund 433.000 Bäume zieren die Straßenränder und Gehsteige der Hauptstadt. Geprägt wird das Stadtbild dabei von 50 verschiedenen Baumarten, allen voran jedoch von Linden (35%), Ahornen (20%), Eichen (9%), Platanen (6%) und Rosskastanien (5%).

 

Auf dem zweiten Platz folgt mit 223.000 Bäumen Hamburg. Auch in der Hansestadt ist die Linde mit einem Anteil von 24% der beliebteste Straßenbaum, gefolgt von der Eiche (22%), dem Ahorn (13%), der Platane (5%) sowie der Hainbuche (5%).

 

Etwas weniger grün an den Straßen sind hingegen die beiden anderen Millionenstädte, München und Köln. Die bayrische Hauptstadt zählt rund 110.000 Bäume an ihren Straßen. In Köln sind es noch weniger, hier sind es gerade mal 80.000 Stück.

 

Den Titel für die Stadt mit den meisten Straßenbäume pro Einwohner beansprucht jedoch das baden-württembergische Heilbronn. Ganze 198 Straßenbäume kommen hier auf 1.000 Einwohner. Im Vergleich dazu liegen die vier größten Städte des Landes deutlich abgeschlagen: In Hamburg sind es 132, in Berlin 123, in München 74 und in Köln gar nur 69 pro tausend Kopf.

Baumgesäumte Straße des 17. Juni in Berlin mit Blick auf die Siegessäule

 

 

Darüber, wie grün eine Stadt insgesamt ist, gibt die Anzahl der Straßenbäume natürlich nur bedingt Aufschluss. Schließlich befinden sich Stadtbäume auch abseits der Straßen wie beispielsweise in den städtischen Parks, Wäldern und Flussauen. So zählt die Gesamtheit der Münchener Grünflächen beispielsweise mehr als eine Million Bäume.

 

Statistiken zu Straßenbäumen in deutschen Städten

 

Viele deutsche Alleen drohen zu verschwinden

 

Deutschland ist ein Land der Alleen. Wie viele Alleen es im ganzen Land gibt, weiß jedoch niemand so genau. Schätzungen zufolge erstrecken sich diese allerdings über unfassbare 23.000 Straßenkilometer – und das, obwohl davon ausgegangen wird, dass bereits die Hälfte aller deutschen Allen verschwunden ist. Die Bundesländer mit den meisten Allen sind:

 

  • Brandenburg mit 12.000 km
  • Sachsen mit 5.000 km (nur 1.000 kartiert)
  • Mecklenburg-Vorpommern mit 4.300 km
  • Bayern mit 1.150 km

 

Die längste Allee Deutschlands befindet sich in gleich mehreren Bundesländern, denn die Deutsche Alleenstraße zieht sich mit einer Länge von 2.900 Kilometern quer durch Deutschland, von Rügen an der Ostsee bis nach Konstanz am Bodensee, und ist dabei größtenteils von Bäumen gesäumt.

 

Der allgemeine Trend des nationalen Alleenbestands zeigt allerdings in Richtung Rücklauf. Denn viele Alleen sterben leise vor sich hin und verschwinden allmählich. Geschuldet ist dies unter anderem unsachgemäßen Schnitten, zu viel Streusalz, Unfallschäden sowie dem Ausbau von Straßen, Rad- und Gehwegen.

Baumallee an schmaler Straße in Brandenburg

 

 

Zudem haben in der jüngeren Vergangenheit auch diverse Gesetze zur Verbesserung der Verkehrssicherheit dazu geführt, dass der Pflegeaufwand und die damit verbundenen Kosten stark angestiegen sind. Deshalb wurden vielerorts keine Nachpflanzungen vorgenommen, wenn Alleebäume gefällt wurden – und das obwohl in manchen Bundesländern sogar eine Nachpflanzungspflicht besteht und Bäume eine gute Lösung für unsere Klimaproblematik sind.

 

Mehr als Dekoration – Alleen und Straßenbäume sind natürliche Klimaanlagen für die Stadt

 

Bäume entziehen der Luft Kohlendioxid, wandeln es in Zucker um und produzieren dabei ein Abfallprodukt, welches für uns Menschen glücklicherweise überlebensnotwendig ist – die Rede ist natürlich von Sauerstoff. Doch Bäume tragen noch auf ganz andere Weisen zu unserer Lebensqualität bei.

 

Eine der nennenswertesten ist angesichts des Klimawandels wohl ihre Funktion als natürliche Klimaanlagen. An heißen Sommertagen spenden die mit Blättern gefüllten Baumkronen beispielsweise willkommenen Schatten – eine einzige Baumkrone kann bei einem Durchmesser von 15 Metern ganze 160 m2 Böden und Hausfassaden kühlen.

 

Schon allein dadurch tragen Straßenbäume einen wertvollen Beitrag zum Stadtklima bei. Denn die weitgehend versiegelten Böden der Städte, die sich in der Sonne erhitzen und nur langsam wieder Wärme abgeben, stellen einen der Hauptgründe für die verhältnismäßig hohen Temperaturen in Stadtgebieten dar. Ein Phänomen, das als Wärmeinseleffekt bezeichnet wird.

 

Darüber hinaus verdunsten Bäume über ihre Blätter unglaubliche Mengen an Wasser. Bei großen Laubbäumen kann es sich dabei um mehrere hundert Liter pro Tag handeln. Durch die Verdunstung wird die umgebende Luft nicht nur befeuchtet, sondern zugleich auch gekühlt. Weitere positive Effekte von Straßenbäumen bestehen unter anderem darin, dass sie:

Stadtbäume zwischen Sitzbänken

 

 

  • Feinstaub, Pilzsporen und Bakterien aus der Luft filtern,
  • dem Stadtbild Farbe verleihen und somit optisch aufwerten
  • das Wohlbefinden von Menschen erhöhen
  • Tieren einen (in Städten sonst sehr knappen) Lebensraum bieten
  • Lärm reduzieren und den Blick auf Lärmquellen verdecken
  • die Windgeschwindigkeit in engen Straßen senken
  • Autofahren den Straßenverlauf anzeigen (insbesondere nachts und bei schneebedeckten Fahrbahnen von Vorteil)

 

Bilder:

 

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